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Murnau macht's vor: Buddeln statt Trübsal blasen!

Man reibt sich verwundert die Augen, aber es ist wahr: Am Längenfeldweg im Norden von Murnau wurde gerade eine funkelnagelneue Spiel- und Begegnungsstätte eröffnet. Statt der üblichen deutschen Tristesse aus Schottergärten und Verbotsschildern gibt's hier also ab sofort Raum für echtes Leben. Hier können die Kleinen im Sandkasten die große Politik nachspielen, während die Großen bei einem lauwarmen Hafer-Latte darüber philosophieren, ob früher wirklich mehr Lametta war. Ein lichter Moment der kommunalen Glückseligkeit, eine Oase des Miteinanders im Meer der deutschen Bauvorschriften. Ein Hoch auf die Schaukel, ein Tusch für die Rutsche!

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten, die einem den Glauben an die Menschheit und vor allem an die deutsche Kommunalpolitik für einen flüchtigen Moment zurückgeben. In Murnau, diesem Idyll im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, das man sonst nur vom Vorbeifahren auf dem Weg zum nächsten Ski-Unfall kennt, ist etwas Seltenes passiert: Es wurde etwas Schönes für alle gebaut. Und zwar nicht irgendein seelenloser Betonklotz, sondern eine 'Spiel- und Begegnungsstätte'. Allein das Wort! Klingt wie aus einem Willy-Brandt-Wahlprogramm von '72, ist aber brandaktuell. Man stelle sich das bildlich vor: Kinderlachen statt Autolärm, Sandförmchen statt Strafzettel. Hier wird nicht nur gebuddelt, hier werden soziale Kontakte geknüpft. Während der Nachwuchs also auf Klettergerüsten die Grenzen der Schwerkraft austestet, können die Erziehungsberechtigten auf einer Parkbank endlich mal wieder ein Gespräch führen, das sich nicht um den nächsten Elternabend dreht. Das ist praktizierte Utopie im Kleinen, ein wohltuender Gegenentwurf zur grassierenden sozialen Verödung. Man möchte fast eine Flasche Schampus köpfen und rufen: Danke, Murnau, für diesen Hauch von Anarchie im durchreglementierten Alltag!
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