Die Sommerferien: Sechs Wochen institutionalisierter Leerlauf, der jede noch so stabile Familienstruktur an den Rand des Zusammenbruchs bringen kann. Doch in Bad Tölz, dem Idyll an der Isar, hat man offenbar die Hilferufe der Eltern erhört. Man wirft der Langeweile ein ganzes Arsenal an Freizeitangeboten entgegen. Der 'Kinder- und Jugendsommer 2026' ist quasi die organisierte Form von 'Geh mal raus spielen'. Die Programmpunkte lesen sich wie der feuchte Traum eines jeden Sozialpädagogen: Isarrafting, als wäre man Huckleberry Finn auf Speed. Makramee-Kurse, um das innere Gleichgewicht zu finden, während man sinnlose Knoten knüpft. Und für die ganz Verwegenen: Luftakrobatik und Zirkus-Workshops. Das ist eine konzertierte Aktion, um die Jugend so richtig auszupowern. Am Ende des Tages fallen die lieben Kleinen todmüde ins Bett und haben keine Energie mehr für Vandalismus oder pubertäre Anwandlungen. Die Stadt investiert hier nicht nur in die Jugend, sondern vor allem in den Seelenfrieden der erwachsenen Bevölkerung. Es ist eine präventive Maßnahme, verpackt als Ferienspaß. Brillant. Man gibt den Kindern Abenteuer und den Eltern ihre Ruhe zurück. Dafür kann es eigentlich nur den Friedensnobelpreis geben.