Es gibt ja so Momente, da blickt man auf dieses Land und denkt sich: Vielleicht ist doch noch nicht aller Tage Abend. Einer dieser lichten Augenblicke ereignete sich jüngst im Landkreis Weilheim-Schongau, dieser malerischen Enklave, in der die Welt noch so herrlich nach Kuhfladen und heilen Seelen duftet. 'Stadtradeln' nannte sich das Spektakel, und was als kleine, gutmenschliche Öko-Initiative daherkommt, entpuppte sich als Massenbewegung, die selbst Fridays for Future wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt.
Fast 6.000 Bürger, vom hippen Gravel-Biker bis zur rüstigen Rentnerin mit Klapprad, haben sich in den Sattel geschwungen. Das Ergebnis dieser kollektiven Anstrengung? Über 900.000 Kilometer! Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist eine Strecke, für die andere Leute Bonusmeilen sammeln, bis der Arzt kommt. Hier wurde ganz nebenbei eine CO2-Einsparung erzielt, die ihresgleichen sucht und die zeigt: Die wahren Helden der Energiewende tragen keinen Anzug, sondern Funktionskleidung. Während in den Metropolen noch über die Verkehrswende lamentiert wird, hat man hier einfach gemacht. Ein beeindruckendes Statement, dass Veränderung nicht immer von oben kommen muss, sondern manchmal eben im Sattel eines Drahtesels beginnt. Man möchte applaudieren, sich verneigen und leise flüstern: Weiter so, ihr Wahnsinnigen!